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Workshops auf dem Winter-Workshop-Wochenende PDF Drucken
Einige Workshop-Ergebnisse könnt ihr unter folgendem Link bewundern:
http://www.flickr.com/photos/58246125@N06/

Übersicht

  • Vom Antisemitismus der NPD bis zur Israelsolidarität der Neuen Rechten
  • Oma, Opa und Dresden waren keine Nazis I  - „Opa war kein Nazi“ - Familiengespräche von TäterInnen über den Holocaust
  • Oma, Opa und Dresden waren keine Nazis II - Nie wieder Elbflorenz - Geschichtsrevisionismus und Opferkult in Deutschland
  • Wie weiter mit der LINKEN? Auf ewig SED oder Partei des 21. Jahrhunderts?
  • DIE LINKE gibt sich ein Programm - Linksjugend ['solid] schweigt?
  • Rechte Esoterik - vom Fliegen können wollen und rechts landen müssen
  • Sarrazin und die extreme Rechte
  • Basisgruppenworkshop

Vom Antisemitismus der NPD bis zur Israelsolidarität der Neuen Rechten

Teamer: Stefan Kunath

Antisemitismus ist charakteristisch für die Rechte. Doch wie äußert er sich öffentlich, wenn er nach 1945 im Regelfall sanktioniert wird? Dies wollen wir gemeinsam exemplarisch anhand der programmatischen und inhaltlichen Ausrichtung der NPD erörtern und hierbei vor allem die Kritik an Israel genauer untersuchen. Inwiefern nutzt die NPD antisemitische Bilder, um Israel zu dämonisieren und woran ist antisemitische Kritik an Israel erkennbar? Im zweiten Block wollen wir uns an ein vergleichsweise neues Phänomen annähern: Vor allem in rechtspopulistischen Organisationen hat sich eine rassistisch fundierte Israelsolidarität entwickelt, die Israel als Teil der westlichen Welt im Kampf der Kulturen an vorderster Front versteht. Israel wird als das Bollwerk Europas im Nahen Osten gegen den Islam verstanden. Warum dies kritikwürdig ist und wie eine Positionierung der Linken ohne Bedienung von Antisemitismus auf der einen Seite und Kulturkampf auf der anderen Seite aussehen könnte, wollen wir mit euch diskutieren.


Wie weiter mit der LINKEN? Auf ewig SED oder Partei des 21. Jahrhunderts?
DIE LINKE in Brandenburg liegt an einem Scheideweg. Ein „weiter so“ kann es nicht geben. Die Struktur, auf die wir uns stützen, bröckelt. Waren es 1992 noch 22.000 Mitglieder, sind es heute gerade mal über 8500. Das Durchschnittsalter liegt bei etwa 65 Jahren. Und doch sind es vielerorts gerade die Genossinnen und Genossen der früheren Jahrgänge, die mit beherztem Engagement, das System Linkspartei Brandenburg überhaupt noch am Leben halten. Auch die wenigen jungen Genossinnen und Genossen stehen dem in nichts nach, doch bedeutet für sie Engagement in und um die Partei die Vernachlässigung ihrer Ausbildung und ihres Studiums. Oft geraten sie viel zu schnell in viel zu große Verantwortungen. Ein Anlernen ist ihnen nicht möglich. Und doch sind sie die Zukunft der Partei, die einzige, die sie hat.
 
DIE LINKE mag eine neue Partei sein, ihre Struktur ist es aber nicht! Die Kommunallisten schrumpfen, dass allgemeine politische Niveau im Sinne von Wissen und Erfahrung sinkt. Die wenigen Funktionäre können sich vor Mandaten und Aufgaben kaum retten, sind in zahlreichen Vorständen, Fraktionen, Arbeitsgruppen und Kommissionen und arbeiten bis ihre Körper sich die nötigen Auszeiten erzwingen. Die Macht konzentriert sich auf einen kleinen Kreis. Die politische Bildung von wenigen genutzt, Talent und Eigenstudium oft die einzige Hoffnung. Sie ist eine reine AkademikerInnenpartei, es mangelt an Arbeiterinnen und Arbeitern, von ihrer Ausbildung bis zur Rente, Arbeitssuchenden und Rentnerinnen und Rentnern ohne Hochschulbildung aber auch an Schülerinnen und Schülern ohne Abitur. 20 Jahre nach dem letzten Umbruch ist es Zeit, die Partei des 21. Jahrhunderts zu schaffen! Darüber soll umfangreich und schonungslos diskutiert werden.

Teamer: Sven Kinervater, Daniel Förster

Oma, Opa und Dresden waren keine Nazis
Teamer: Daniel Poensgen
Die Zeiten, in denen sich die Öffentlichkeit in BRD und DDR davor hütete, dass „offene Geheimnis“ (Longerich) auszusprechen, die Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden habe sich vor aller Augen und mit Unterstützung der Meisten vollzogen, sind vorbei. Heute bekennt sich das politische Berlin freimütig zur Shoah, ist Deutschland schließlich „Aufarbeitungsweltmeister“ und das Denkmal für die ermordeten Juden Europas eine „Erfolgsgeschichte“ (Tagesspiegel) „um die uns viele Länder beneiden“. Auch am heimischen Küchentisch kann endlich mit Tränen der Rührung zugehört werden, wenn Oma und Opa „vom Krieg“ erzählen. Ist die „Vergangenheitsbewältigung“ in der BRD also einerseits zum Standortfaktor geworden, passen die Dresdner Nazi-Aufmärsche andererseits nicht so recht ins Bild der heilen Gedenkwelt. Umso besser, dass sich den „Ewiggestrigen“, wie die Nazis überall heißen, so allerhand in den Weg stellt: Vom bürgerlichen Gedenkfest bis hin zu den Blockaden der (auch radikalen) Linken.

Der Workshop findet in zwei Teilen statt, die aufeinander aufbauen,
aber auch einzeln besucht werden können.

Oma, Opa und Dresden waren keine Nazis: „Opa war kein Nazi“ - Familiengespräche von TäterInnen über den Holocaust
Im ersten Teil beschäftigen wir uns mit Familiengesprächen über den 2.Weltkrieg in Deutschland. Werden hier Verbrechen thematisiert? Wie werden sie von den Enkeln aufgenommen? Wie können wir selbst lernen, in unseren Familien besser zuzuhören und die richtigen Fragen zu stellen? Der familiären Sphäre stellen wir dann die politischegegenüber: Anhand einer Rede von Horst Köhler untersuchen wir, was den öffentlichen vom privaten Diskurs unterscheidet und wo es Überschneidungen gibt.

Oma, Opa und Dresden waren keine Nazis: Nie wieder Elbflorenz - Geschichtsrevisionismus und Opferkult in Deutschland
Im zweiten Teil des Workshops soll es dann konkreter um die Nazi-Aufmärsche an den Jahrestagen der Bombardierungen gehen. Hier wollen wir uns zunächst damit beschäftigen, wie Nazis und ihre unterschiedlichen Gegner ihre Aktivitäten begründen und dies miteinander, aber auch mit den Ergebnissen des ersten Teils vergleichen. Ausgehend hiervon soll diskutiert werden, wie a) eine progressive Position zur Erinnerung an die Bombardierung Dresdens aussehen könnte und b) welche Ziele eine radikale Linke mit der Mobilisierung gegen den Nazi-Aufmarsch in Dresden noch verfolgen könnte.

DIE LINKE gibt sich ein Programm - Linksjugend ['solid] schweigt?
DIE LINKE hat sich aufgemacht, sich ein neues Programm zu geben. Dabei wird es vor allem darum gehen, wo DIE LINKE als Partei, aber auch die Linke als Bewegung ihre Wurzeln und Traditionslinien hat, was sie auszeichnet und wohin es in den nächsten Jahren gehen soll. Für uns als Jugendverband gibt es zwei Gründe, dies nicht unbeachtet zu lassen: Zum einen wird der politische Kurs, der Erfolg und die Wirkung der LINKEN auch maßgeblich auf uns zurückfallen. Und zweitens haben wir hier eine der wenigen Möglichkeiten, mit unseren Positionen direkt auf die Partei zu wirken und auch unsere Vorstellungen in das Programm einzubringen. Unser Seminar "Einführung in die Programmdebatte" soll bei all denen grundlegende Kenntnisse schaffen, die Lust haben, sich noch einmal ganz genau anzusehen was da eigentlich im Programm drin steht, was da reingehören sollte und wie manche Dinge gemeint sind. Was heißt z.B. demokratischer Sozialismus genau und was verstehen die verschiedenen Menschen darunter? Auf welche Wurzeln beruft sich DIE LINKE da eigentlich? Was für eine Art Kapitalismus wird denn hier genau skizziert und wie wird er kritisiert? All diese Fragen wollen wir mit diskutieren und die Teilnehmenden größtenteils selbst entdecken lassen. Es soll neugierig machen und anregen, sich in die Programmdebatte einzuklinken und das nötige Hintergrundwissen mitzubringen.

Teamer: Sven Kindervater, Daniel Förster


Rechte Esoterik - vom Fliegen können wollen und rechts landen müssen

Was haben die "Germanische neue Medizin", "Reichsflugscheiben" und "Herrschaftsjuden" gemeinsam? Sie sind alle Hirngespinste rechter Esoteriker und Ideologen.
Esoterik sind wir alle schonmal in der einen oder anderen Form begegnet. Tatsächlich sind esoterische Ideen und Gedanken in mehr oder weniger harmoser Form bei den meisten Menschen überall auf der Welt, egal ob Entwicklungsland oder Industriestaat, weit verbreitet.

Esoterik kann jedoch brandgefährlich sein.

In diesem Workshop beschäftigen wir uns mit den Schnittpunkten von Esoterik mit rechtsextremen Verschwörungstheorien und faschistischem Weltbild. Wir werfen einen Blick auf die Geschichte der Esoterik und seinen unter anderem nationalsozialistischen und völkischen Wurzeln.
Wer war die Thule-Gsellschaft und wer sind ihre ideologischen Nachfolger? Welche Rolle spielt Antisemitismus in Verschwörungstheorien? Und was zur Hölle suchen Nazis auf dem Mond???

Teamer: Thomas Popp

Sarrazin und die extreme Rechte
Zwar bekommt er immer weniger Aufmerksamkeit in der medialen Öffentlichkeit, doch immer noch SPD-Mitglied Thilo Sarrazin ist weiterhin auf Lesereisen und füllt noch immer Hallen mit mehreren Hundert Plätzen. Was bleibt von Sarrazin? Da wäre zum Einen die aktuelle Integrationsdebatte, die durch seine Thesen angestoßen wurde und zwischen nützlichen und unnützen MigrantInnen unterscheidet. Und da wäre zum Anderen - gerade erst durch neueste Studien bestätigt - ein neuer Elitenrassismus, der sich durch Vorurteile gegenüber Muslimen einerseits und sogenannten Unterschichten andererseits auszeichnet. Wir wollen im Workshop unter anderem Thesen von Sarrazin mit Positionen der NPD auf Parallelen untersuchen und uns darüber austauschen, wie man auf diese in Diskussionen argumentativ reagieren kann.

Teamerin: Katja Dahme


Basisgruppenworkshop
Teamer: Julian Plenefisch (Bildungswerk für Politik und Kultur)