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Rede zum Liebknecht&Luxemburg-Gedenken im Potsdamer Lustgarten am 20.01.2013 PDF Drucken
20.01.13

"Am 15. Januar 1919 wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in einer Wohnung der Mannheimer Straße 27 in Berlin-Wilmersdorf festgenommen und in das Hotel Eden gebracht. Dort residierte zu der Zeit der Stab der Garde-Kavallerie-Schützen-Division, der die Organisation der Verfolgung von Spartakisten in Berlin übernommen hat. Die Gefangenen wurden nacheinander verhört und dabei schwer misshandelt. Kommandant Waldemar Pabst besprach mit seinen Offizieren, die Gefangenen zu ermorden; der Mord sollte nach einer spontanen Tat Unbekannter aussehen.

Beim Verlassen des Gebäudes wurde Karl von Hotelgästen bespuckt, beschimpft und geschlagen. Der Jäger Otto Runge versetzte dem gerade im Wagen platzierten Gefangenen einen Schlag mit dem Gewehrkolben. Das Auto fuhr in den nahegelegenen Tiergarten. Der Fahrer täuschte eine Panne vor. Karl wurde aus dem Auto geführt und nach wenigen Metern am Ufer des Neuen Sees aus nächster Nähe von hinten erschossen. Danach lieferten die Täter den Toten um 23.15 Uhr als unbekannte Leiche in der dem Eden-Hotel gegenüberliegenden Rettungswache ein.

Auch Rosa wurde beim Verlassen des Hotels von Runge mit einem Gewehrkolben zweimal geschlagen, bis sie bewusstlos wurde. Dann wurde sie in einen bereitstehenden Wagen geworfen. Der Freikorps-Leutnant Hermann Souchon sprang bei ihrem Abtransport auf das Trittbrett des Wagens auf und erschoss sie mit einem aufgesetzten Schläfenschuss. Ihre Leiche wurde anschließend in den Berliner Landwehrkanal geworfen.

Heute gedenken wir der Ermordung dieser beiden Revolutinär_innen. Luxemburg und Liebknecht gehörten zu den ersten wirklichen Antimilitarist_innen, die den imperialistischen 1. Weltkrieg von Anfang an schärfstens verurteilten. Wie niemand sonst glaubten sie an die Selbstbefreiungskraft der Arbeiterklasse. Sie galten als überzeugte Internationalist_innen, sie verurteilten den Patriotismus der SPD und verteidigten den Grundsatz, dass Sozialismus in einem einzelnen Land keine Perspektive hat. Dank ihrer Glaubwürdigkeit, Solidarität und grenzenlosen Aktivität erkämpften sie sich ihren Respekt sowohl bei den Intellektuellen als auch beim Proletariat. Vor allem aber waren sie unermüdliche Revolutionär_innen, die in den wichtigen Fragen stets kompromisslos, loyal und glaubwürdig blieben.

Erinnern heißt auch Weiterkämpfen.
Wir kämpfen heute noch für eine Gesellschaft, in der die Hoffnung auf ein Leben in Frieden, ohne Rassismus und ohne Faschismus, die Hoffnung auf eine intakte Umwelt, auf Mitbestimmung und Gleichberechtigung endlich erfüllt worden sind. Doch von dieser Welt sind wir bisher noch weit entfernt. Wie schon Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht kämpfen wir gegen Kriege, Krisen & Ausbeutung. Wir streiten weiter für eine Gesellschaft, in der die Bedürfnisse aller Menschen und nicht der private Profit Einzelner im Mittelpunkt stehen.
Indem wir Karl & Rosa nie vergessen, werden wir den Kampf um eine bessere Welt für jedermann auch nicht aufgeben."