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Presseerklärung: ['solid].potsdam zur Potsdamer Denkmalkultur (24.02.2006) PDF Drucken

Gemeinsame Sache mit der CDU:Ja zu umfangreichen Sprengungen und einer kritischen Potsdamer Denkmalkultur

In einem Antrag zur Stadtverordnetensitzung am 1. März fordert die Potsdamer CDU, dass eine Wiederaufstellung der Lenin-Statue vor dem ehemaligen Haus der sowjetischen Offiziere in der Hegelallee verhindert werden müsse. Wenn die Toleranz der Stadt Potsdam auch für Persönlichkeiten gelte, die in ihrem politischen Leben „buchstäblich über Leichen gegangen sind“ und hierdurch „falsche Mythen gepflegt“ würden, gäbe dies die Stadt der Lächerlichkeit preis.

Die Potsdamer Ortsgruppe Potsdam des Linkspartei und WASG - nahen Jugendverbandes ['solid] forderte die Potsdamer CDU vor diesem Hintergrund gestern auf, bei ihrem gewaltkritischen Einsatz nun nicht auf halber Strecke stehen zu bleiben, sondern konsequenterweise neben dem Lenin-Denkmal in Potsdam auch andere Monumente aus dem Stadtbild zu entfernen.

Sascha Grabsch, denkmalpolitischer Sprecher von ['solid].potsdam, erklärte hierzu gestern: „Die CDU ist hier ausnahmsweise klar auf dem richtigen Weg: Die berühmte preußische Toleranz hat Grenzen! Statt wie bisher vor allem für ausländische MitbürgerInnen, Graffiti-KünstlerInnen und DemonstrantInnen gegen Neonazis müssen diese Grenzen nun endlich für jene historische Persönlichkeiten gelten, die in ihrem politischen Leben 'buchstäblich über Leichen gegangen sind'.“

Der 21jährige Student fordert daher in Übereinstimmungen mit den neuen Denkmalrichtlinien der Potsdamer CDU den zeitnahen Abriss des Friedrich-Wilhelm-von-Steuben-Denkmals in der Seelenbinder-Straße. Seine Erfahrungen aus dem preußischen Militär habe Steuben bekanntlich als Generalmajor und Generalinspekteur des Heeres im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg eingesetzt. In zahlreichen Gefechten trugen die von ihm befehligten Truppenteile maßgeblich zum Sieg über die britischen Truppen bei, der Tod gegnerischer Soldaten war ihm hierbei Mittel zum Zweck.

„Ein weiteres Denkmal, das zweifellos möglichst bald entfernt werden sollte, ist die Statue von Friedrich II. im Park Sanssouci. Während seiner Regierungszeit führte der autokratische Herrscher in 11 Kriegsjahren mehr als 15 blutige Schlachten und ging im Zuge seiner Machtpolitik mehr als ein Mal über Leichen. Die Stadt- und Landesbibliothek Potsdam enthält hierzu umfangreiche Dokumente. Dass er dennoch immer wieder als positiver Bezugspunkt für vermeintliche Tugenden herangezogen wird, erscheint mir unerträglich und gibt die Stadt der Lächerlichkeit preis."

['solid].potsdam ist positiv überrascht vom Vorstoß der CDU, sich abseits des sonst üblichen Populismus einmal kritisch mit historischen Persönlichkeiten auseinander zu setzen und anstößige Denkmäler entsprechend zu entfernen: „Über alle sonstigen politischen und inhaltlichen Grenzen hinweg sehen wir hier erstmals Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit auf inhaltlicher Ebene. Gern sind wir bereit, uns auch tatkräftig an der praktischen Umsetzung zu beteiligen: Bereits über Ostern könnte endlich das unsägliche Glockenspiel eingerissen werden. Die dazugehörigen Grundmauern einer geplanten Kopie der Garnisonkirche, die in ihrer historischen Bedeutung für militaristische Traditionen und damit die Verachtung menschlichen Lebens steht, könnten bis zum 8. Mai beseitigt sein. Wir bringen gern die Hacke mit und schmieren Stullen.“

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