suche

Presserklärung: Freigabe statt Nullgrenze – Hanf muss wieder heimisch werden PDF Drucken
Die am vergangenen Freitag von Justizministerin Beate Blechinger verkündete Richtlinie, die nun eine genaue Obergrenze einer straffreien Menge an Cannabis - Produkten festlegt, nahm Blechingers Parteikollege und CDU - Generalsekretär in Brandenburg, Sven Petke, gestern zum Anlass um in der MAZ in gewohnt populistischer Weise ein totales Cannabis - Verbot zu fordern.

Da auch Sven Petke mittlerweile offenbar mitbekommen hat, dass es keine Studien gibt, die bei Cannabiskonsumenten Erkrankungen feststellen konnten, die ursächlich auf den Konsum von Cannabis oder seiner Derivate zurückzuführen sind, verlegt er sich nun darauf eine Gefährdung durch den höheren THC - Gehalt (THC = Tetrahydrocannabinoid, psychoaktiver Wirkstoff, aus Blüten und Harz der weiblichen Hanfpflanze gewonnen) jüngerer Züchtungen herbei zu reden.

Dazu erklärt Robert Wollenberg, 22, Student, freizeit- und drogenpolitischer Sprecher des Linkspartei.PDS / WASG nahen Jugendverbandes ['solid] – die sozialistische jugend:

"Einige wollen es offenbar nicht lernen. Wenn das eine Argument („Cannabis führt per se zu Psychosen, wirkt demotivierend und schädigt das Hirn“) hinreichend widerlegt ist, wird eben schnell ein neues erfunden. Herr Petke hat bei seiner Suche nach dem neuen Argument leider nur eines nicht bedacht: Wenn denn THC nachweisbar nicht zu den oben genannten Symptomen führt, wo genau besteht dann eigentlich das Problem bei einer höheren Konzentration des psychoaktiven Wirkstoffes in neueren Züchtungen der Hanfpflanze? Ein Stoff, der an sich nicht dazu geeignet ist Schädigungen an Hirn und Psyche des Konsumenten hervorzurufen, wird auch dadurch nicht schädlicher, dass seine Konzentration erhöht wird.

Vielleicht würde Herr Petke nicht so wirr daherreden, wenn er sich denn hin und wieder mal Fachliteratur zum Thema oder wenigstens das Deutsche Ärzteblatt besorgen würde. Dort heißt es in der Ausgabe Nr.43 vom 27.10.2000 in einem Artikel von dem Hamburger Arzt, Psychoanalysten und Direktor des Michael-Balint-Instituts Dr. med. Carl Nedelmann:

„Die medizinischen Argumente, die zur Aufrechterhaltung des Cannabis - Verbotes verwendet worden sind, stammen aus Befunden schwerer Pathologie. Dabei ist allerdings zu beachten, dass Schäden, die Alkohol anrichtet, schwer, häufig und anhaltend sind; Schäden, die Cannabis anrichtet, sind leicht, selten und flüchtig. Aus medizinischer Sicht wird kein Schaden angerichtet, wenn Cannabis vom Verbot befreit wird. Das Cannabis-Verbot kann durch medizinische Argumente nicht gestützt werden.“

Dafür, dass eine angebliche begrenzte Freigabe von Cannabisprodukten den Konsum weiter gesteigert habe, wie Petke weiterhin behauptet, gibt es keinerlei Anzeichen. Kann es auch gar nicht, denn eine solche begrenzte Freigabe hat es in der Bundesrepublik nie gegeben.

Das Gegenteil ist der Fall: Nachdem in Holland auch der Handel mit Cannabis - Produkten freigegeben wurde, ist der Konsum nicht, wie vielfach befürchtet, gestiegen, sondern zurückgegangen.

Ein weiterer interessanter Aspekt, den konservative Kreise gern aus der öffentlichen Diskussion heraushalten, ist dass Mediziner Cannabis und die Wirkung seiner Derivate heute eher mit der von Alkohol als mit der von Opiaten wie z.B. Heroin vergleichen. Das Interessante daran ist, dass die medizinisch als weitaus gefährlicher eingestufte Droge Alkohol noch immer nicht von derartigen Verbotsdiskussionen betroffen ist wie Cannabis. Das hat historische Ursachen. Denn im Gegensatz zur Alkoholproduktion war die Hanfproduktion in den 40er und 50er Jahren des 20. Jahrhunderts (also der Zeit in der das Cannabis-Verbot weltweit durchgesetzt wurde) durchaus eine Gefahr für gleich mehrere mächtige Industriezweige: die Hanffaser ist billiger und widerstandsfähiger als die meisten anderen (auch künstlich erzeugten) Textilfasern, Cannabis-Rauchprodukte stehen in Konkurrenz zum Tabak usw. Die soziale Ächtung der Pflanze wurde durch gezielte Fehlinformationen gegenüber der Bevölkerung, vor Allem in den USA, erreicht.

In der Konsequenz steht die Situation, wie wir sie heute haben: ca. 1/3 der Jugendlichen gibt an, schon einmal Haschisch konsumiert zu haben bzw. gelegentlich zu konsumieren. Diese Jugendlichen sind weder krank noch kriminell, auch wenn Herr Petke das gern so hätte. Diese Jugendlichen suchen vielleicht nach einer Alternative zum allgemeinen Konsumrausch unserer Gesellschaft und finden sie in den zwei bis drei Stunden Ruhe, die ihnen der Cannabisrausch verschafft. Wir wissen aber auch, dass jede Droge (in unterschiedlicher Intensität) psychisch abhängig machen kann.

['solid] Brandenburg fordert daher:

  • Die sofortige Freigabe des Handels, des Erwerbs und des Anbaus von Cannabisprodukten ab 16 Jahren, Hanf muss wieder heimisch werden!
  • Die Belegung dieser Produkte mit einer Hanfsteuer, die zur besseren Ausfinanzierung der Drogenprävention und des Gesundheitswesens im Allgemeinen genutzt werden kann
  • Die Einrichtung von Coffee-Shops nach holländischem Vorbild, in denen auf seine Reinheit geprüftes, ungestrecktes Marihuana, Haschisch und andere weiche Drogen frei verkauft werden können
  • Ein Abo des Deutschen Ärzteblattes und die Null-Promille-Grenze für Sven Petke"