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Presseerklärung: Linksjugend ['solid] verurteilt brutalen Polizeieinsatz gegen Freiraum-Party in Potsdam (09.11.2008) PDF Drucken

Es mag am Großeinsatz der Polizei im Wendland gelegen haben, dass die Demonstration "Freiräume statt Schlossträume!" am Samstagnachmittag weitgehend unbehelligt von der sonst für Potsdam üblichen massiven Polizeipräsenz stattfinden konnte. Mehr als 1.500 junge und ältere Menschen verliehen hier bunt und laut ihrer Forderung nach einer Absicherung von alternativen Kultur- und Wohnprojekten Ausdruck.

Als Abrundung der Demo und Zeichen für das Selbstbewusstsein der Potsdamer Jugendlichen gab es am Abend verschiedene selbstorganisierte Konzerte und Veranstaltungen. Ein Höhepunkt war dabei die spontane Wiederaneignung der leer stehenden Skaterhalle in der Kurfürstenstraße. Die Skaterhalle reiht sich in die lange Liste von geschlossenen und bedrohten Jugend- und Kultureinrichtungen in Potsdam ein. Als symbolischer Ort sollte sie deshalb mit einer Elektro-Party vor dem bevorstehenden Abriss ein letztes Mal als Ort der Kultur dienen, bevor auch hier Jugendinteressen durch teure, exklusive Villen verdrängt werden. Die Party war ein voller Erfolg, hunderte Jugendliche aus Potsdam, Berlin und Umgebung tanzten die ganze Nacht.

Ein Polizeieinsatz beendete die Party in den frühen Morgenstunden wegen angeblicher Ruhestörung. Gegen 5:00 Uhr kam es "unter Anwendung unmittelbaren Zwangs" zur Räumung der Party Betroffen von dem übertriebenen Polizeieinsatz war auch eine Studentin an der Universität Potsdam: "Der Einsatz war unnötig, weil die Besetzung von vornherein explizit als einmalige Nutzung geplant war. Das Vorgehen war völlig übertrieben, die tanzende junge Menschen wurden von der Polizei mit massiver Gewalt konfrontiert. Grundlos knüppelten Polizisten aus Berlin in die Menge, die den Aufforderungen der Polizei nach einer Räumung bereits nachgekommen war. Leute, die am Boden lagen, wurden verprügelt, so was hab ich noch nie gesehen. Dieser Vorgang steht beispielhaft für den Umgang von Stadt und Behörden mit den Wünschen, Ideen und Projekten der jungen Menschen hier."

Offensichtlich hatte es die Polizei auf einen solchen übertriebenen Einsatz gezielt angelegt: Ort und Termin der Party waren in der Zeitung (MAZ vom 06. November 2008) angekündigt. Wenn die Veranstaltung hätte verhindert werden sollen, hätte die Polizei im Vorfeld Gelegenheit dazu gehabt. Roland Gehrmann, stellvertretender Landessprecher der Linksjugend ['solid] und Besucher der gestrigen Party dazu: "Entweder hat die Polizei stümperhaft gearbeitet oder aber Stadt und Polizei legten es auf einen solchen Einsatz zur Eskalation an, um die Potsdamer Jugendlichen in ´Gut´ und ´Böse´ sortieren zu können. Ich finde ein solches unverhältnismäßiges Vorgehen wie gestern Abend unerträglich ? das ist ein weiteres Beispiel für die Ignoranz der Stadt gegenüber unseren Forderungen nach alternativen Freiräumen."

Wir fordern die Stadt und die Öffentlichkeit auf, den brutalen Polizeieinsatz zu verurteilen und mit den Lippenbekenntnissen zu Toleranz und Unterstützung der Jugendkultur Schluss zu machen. Wenn engagierte Jugendliche von der Stadt Potsdam weiterhin so viel Ignoranz erfahren und von der Polizei zusammengeknüppelt werden, sollte es nicht verwundern, wenn zunehmend auch andere Aktionsformen als Demonstrationen und Partys in leer stehenden Häusern gewählt werden. Partys in leer stehenden Häusern gewählt werden.